Grazer Messepokal
45.Grazer Messepokal am 26./27. September 2026
Ausschreibung 2025 (auf englisch)
| 1981 | 1982 | 1983 | 1984 | 1985 | 1986 | 1987 | 1988 | 1989 | 1990 |
| 1991 | 1992 | 1993 | 1994 | 1995 | 1996 | 1997 | 1999 | 2000 | |
| 2001 | 2002 | 2003 | 2004 | Pres se | |||||
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2020 abgesagt |
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Alle Herrenflorett-Team Endrunden 1981-1989
Der Grazer Messepokal – Ein Turnier mit Tradition und vielen Innovationen
(aus Festschrift 2024 von Markus Mareich)
Der Einstieg
Die Geschichte des mittlerweile zum Traditionsturnier aufgestiegenen Grazer Messepokals begann im Jahr 1981. Im Autostau vor der Grazer Frühjahrsmesse kam meiner Frau und mir die Idee für ein neues Turnier auf dem Messegelände. Unter dem Motto: kommen keine Zuschauer, kommen wir zu den Zuschauern. Im Zentrum sollte im Herrenflorett ein Mannschaftsbewerb stehen. Und so erfolgte schon im Herbst desselben Jahres zur Probe die erste Austragung, noch national und noch im ATG-Fechtsaal, mit Dreiermannschaften und mit dem Mannschaftsbewerb vor dem Einzel, das anschließend nach dem Teambewerb entgegen der damaligen Gepflogenheiten gleich im k.o. System ausgetragen wurde. Später wurde dieses System der „Direkten Ausscheidung“ bei allen internationalen Turnieren eingeführt.
Turnier in Halle 1 auf der Herbstmesse
Aber schon 1982 wurde auf der Grazer Herbstmesse gefochten, in der Halle 1 im obersten Stock. Auch das Fernsehen ist bereits zugegen und sollte ein fast regelmäßiger Berichterstatter unseres Turniers werden. Und stets sorgten wir anfangs neben Unterkünften für die Teams auch für ein ordentliches Buffet nach der Siegerehrung. Unvergesslich sind die unter Karin Hartwagner organisierten Festgelage. Als Messepokalsieger durfte sich die Mannschaft nennen, das Einzel war lediglich eine Draufgabe. Und sie kamen von allen Nachbarländern und mit CS Mestre aus Italien gleich einer der ganz großen Clubs. Mestre wurde so etwas wie ein Stammgast, holte sich auch einige Siege, aber nicht 1983, da gewann unser Team (mit Robert Blaschka, Markus Mareich und Christian Schnopfhagen) sehr überraschend den Titel. Bis zu einem weiteren Titel mussten wir tatsächlich 39 Jahre warten, doch dazu später.
Abschied von der Messe
Bereits 1985 wurde zum letzten Mal auf der Grazer Herbstmesse gefochten, der Aufwand stand mit dem Publikumsinteresse nicht im Einklang. Das Format der Wettkämpfe entwickelte sich aber rasch weiter, schon 1988, die Wettkämpfe wurden im ATG ausgetragen, gab es mit 15 Mannschaften ein Rekordergebnis. Bereits damals versuchten wir für unser Publikum den Finalgefechten einen würdigen Rahmen zu verleihen. Aus aktuellem Anlass wurde in Zusammenarbeit mit den Grazer Bühnen das große Gefecht im Jardin de Luxembourg mit den 3 Musketieren und den Kardinalisten ausgefochten.
Mannschaftswettkämpfe mit 18 Teams
Im Jahr darauf, 1989, erfolgte der absolute Höhepunkt. Obwohl weiterhin kein Ranglistenturnier, folgen diesmal gar 18 Mannschaften aus 8 Nationen unserem Ruf. Zur Showeinlage kommen die Mädchen der rhythmischen Sportgymnastik des ATG und 400 Zuschauer sorgten auf der Tribüne für einen Rekord. So manch kuriose Geschichte umrankt unseren Messepokal. Da wurde etwa das Team von Dynamo Berlin aus der noch existierenden DDR eingeladen, das dann aber 1990 als 1.SC Berlin anrückte. Und die Finals werden von uns immer attraktiver gestaltet, diesmal legen wir die Finalbahn im Heimatsaal in der Paulustorgasse auf. Eine peruanische Musikgruppe sorgte neben einem ausgiebigen Buffet für Stimmung. Mit der Verpflichtung David Douchmans für unser steirisches Leistungsmodell erfolgte eine russische Periode beim Messepokal. Mit Dynamo Moskau kam gleich der fünffache Weltmeister Alexander Romankov nach Graz! Erstmals führten wir den Messepokal dabei in der neu renovierten ASVÖ-Halle durch. Noch einmal probierten wir im darauffolgenden Jahr eine Rückkehr auf die Messe, der Dauerregen und die gleiche unattraktive Wettkampfstätte wie Jahre zuvor erleichtern uns die Entscheidung, zukünftig die Finger davon zu lassen.
Einzelturnier wird zu ÖFV Ranglisteturnier
Eine entscheidende Wende gab es 1992. Erstmals zählte der Messepokal zur österreichischen Rangliste. Die Konsequenz daraus war, dass die Reihenfolge Team - Einzel umgedreht werden musste. Es war echt erstaunlich, dass der Messepokal ohne den Status eines Ranglistenturniers bis dahin derart erfolgreich gelaufen ist. Noch hielt die russische Dominanz, mit Weltcupsieger Chevchenko konnten wir wieder einen Topathleten an den Start bringen. Wir bleiben innovativ, führen vor den ersten FIE-Turnieren einen neuen Modus in den Teamkämpfen ein, den Staffelmodus. Im neuen Landessportzentrum haben wir 1994 für Fechtturniere eine neue Heimat gefunden. Und gleich 1995 fand eine weitere Weltpremiere in Graz statt. Das erste kabellose Fechtturnier. Diese Erfindung eines gebürtigen Österreichers, Bruno Jerebicnik, der jetzt in Berlin lebt, hat später die Fechtszene revolutioniert. Und wir dachten gleich einen Schritt weiter, haben in einem Quadrat und nicht auf der herkömmlichen Fechtbahn gefochten. Das blieb für viele Trainer und Aktive noch zu gewöhnungsbedürftig. Dem Publikum hätte es gefallen.
Preisgeld wird einmalig vergeben
Weiter trieben uns die Gedanken für ein für Fechter und Publikum attraktives Turnier an. 1996 gab es erstmals in Österreich ein Preisgeld. Die 2000 Dollar ließen sogar die Fechthochburg Tauberbischofsheim an den Start gehen. Es gab zwar keinen Hauptsponsor, doch viele Kleinsponsoren ließen uns das Geld auftreiben. Und wir lieferten eine weitere Premiere, eine neue kurze Mannschaftsformel. Es gab nur einen Durchgang, also 3 Gefechte, das kam beim Publikum auf Grund der größeren Spannung sehr gut an. Ralph Bissdorf, Heidenheim, siegte im Einzel, bei den nächsten olympischen Spielen gewann er Silber. Mit Finale und Fechtbrunch zelebrierten wir nicht zum letzten im Heimatsaal unseren Messepokal.
Neu im Programm – unsere Damen
War es bis 2000 ein reiner Herrenflorettbewerb, kamen 2001 Damenflorett und auch Herrensäbel dazu. Säbel blieb bis 2007 im Programm, Damenflorett pausierte in den Jahren 2002 und 2003 und ist seither aber auch stets fix dabei. Unter dem Ranglistenstatut hat allerdings der Teambewerb immer mehr gelitten. Die Teilnahmezahlen nahmen kontinuierlich ab. 2004 probierten wir noch ein neues Format, das sich dann einige Zeit doch sehr bewährte. Der Teamkampf hatte zwar wie vorgesehen seine 9 Einzelgefechte, die in Staffelform zusammengezählt wurden, jedoch hatte jedes Gefecht nur insgesamt 5 Treffer, in Summe also ging es bis 23 Treffer (9x5=45). So kam jedem Treffer eine wesentlich höhere Bedeutung zu und die zeitliche Länge war wesentlich überschaubarer. Mit diesem System durften sich auch die Damen erstmal im Team versuchen, und wie schon bei den Herren, gab es bei der Premiere einen Heimsieg unseres Teams mit Ingrid Fabianek, Barbara Koppenwallner und Judith Mareich.
Ende der Teambewerbe
Bis 2015 konnten wir die Mannschaftsbewerbe noch durchziehen, dann endete eine große Tradition. Dieser Schritt tat eigentlich weh, gerade ein Teamkampf kann so attraktiv und spannend sein. Gemeinsam das Ziel zu erreichen, deswegen gibt es auch immer wieder Aktive, die im Einzel nicht überzeugen können, aber im Team über sich hinauswachsen. Aber es war wahrscheinlich so etwas wie ein Zeitgeist, zu viele Turniere, da wollten die Aktiven lieber einen freien Tag. Statt der Teambewerbe nahmen wir die Junioren hinzu. Und fanden mit der ASVÖ-Halle endgültig unsere Heimstätte für unseren Pokal.
Corona verhindert Jubiläumsturnier
Nach der Absage wegen Corona kam ausgerechnet der Jubiläumspokal 2021 mit einem Jahr Verspätung zur Austragung. Nach der langen Pause war das Interesse sehr groß, es gab insgesamt eine Rekordbeteiligung. Wieder was Neues: zur Austragung kam auch erstmals bei einem ÖFV-Ranglistenturnier der Modus "alle Plätze werden ausgefochten". Bei einem Tableau mit 32 (DF-Jun) wurde das zu einer Zerreißprobe, besonders für Kampfleiter wie Organisation aber auch Teilnehmer (5 Durchgänge mit je 16 Gefechten). Am Schluss waren sich alle einig: bitte nicht wieder.
Erster Einzelsieg bei den Herren für uns
Eingangs erwähnte ich, dass wir bei den Herren 39 Jahre auf einen neuerlichen Sieg warten mussten. Und eigentlich überhaupt erstmals konnten wir als Veranstalter im Herrenflorett den Sieger im Einzel stellen! Moritz Lechner gelang dieses Kunststück, nachdem er schon nach den beiden Indexrunden als Nummer 1 in die direkte Ausscheidung zog. Mit dabei war StreamsterTV, die das komplette Finale am Samstagabend übertrug. Im Vorjahr füllten wir den Messepokal auch noch mit den Kadetten an und weil bekanntlich ein Bär gerne auf dem Eis tanzt, gleich auch noch mit 4 Degenbewerben. Damit halfen wir dem ÖFV wegen fehlender Veranstalter im letzten Moment aus. Für 2024 blieben wir Waffentreu, also nur Florett, dafür feierten wir in unserem Jubiläumsjahr den Messepokal auch mit den Jugendklassen B, C und D. Bei rund 350 Starterinnen und Starter war der logische Schritt, die Jugendbewerbe ab 2025 beim Alpe Adria Pokal durchzuführen.
Ja, es gebe noch einige Geschichten zum Messepokal, das würde aber den Rahmen dieser Festschrift sprengen. Ich hoffe, bzw. ich weiß aber, dass sich in unserem Club noch viele finden werden, die dieses Traditionsturnier weiterführen werden.